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Apr 30, 2026

Seit 1291 hatte die Schweiz noch nie so gute Nachbarn.

Die EU ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte, die Frieden, Wohlstand und Sicherheit für 450 Millionen Menschen in Europa ermöglicht hat. Und: Kein anderes Land hat mehr davon profitiert als die Schweiz.

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Seit 1291 hatte die Schweiz noch nie so gute Nachbarn.

Jahrhunderte lang wurde die Schweiz immer wieder durch europäische Grossmächte in Kriege hineingezogen, ganz oder teilweise besetzt und in den beiden Weltkriegen durch die Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich beinahe der Sprachgrenze entlang auseinandergerissen. Seit der Gründung der EU sind wir von Freunden umgeben. Trotzdem fühlen konservative Kreise eine grosse Abneigung oder gar eine Feindseligkeit gegenüber unseren Nachbarn und fürchten immer noch die «Unterwerfung».

Nüchtern betrachtet ist die EU eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Ein ganzer Kontinent wurde nachhaltig befriedet. Es ist ein Binnenmarkt mit Wohlstandswachstum und sozialer Sicherheit für rund 450 Millionen Menschen entstanden, in dem die Lebensqualität höher ist als in den USA (höhere Lebenserwartung, bessere Gesundheitsversorgung, tiefere Armutsrate, weniger Kriminalität). Überdies wurde mit dem Euro eine neue stabile gemeinsame Währung etabliert und elf osteuropäische Länder nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion demokratisiert und stabilisiert.

Die Schweiz ist dank der EU sicherer geworden.

Was aus diesen osteuropäischen Ländern nach 1989 geworden wäre, wenn die EU sie nicht aufgenommen hätte, lässt sich am Schicksal ehemaliger Sowjetrepubliken erahnen, die nicht Teil der EU wurden: Aserbaidschan (Autoritär), Belarus (Diktatur), Kasachstan (Autoritär), Turkmenistan (Diktatur), Tadschikistan (Autoritär), Usbekistan (Autoritär). Dazu kommen vier fragile Demokratien (Armenien, Georgien, Moldau, Ukraine), die Russland sich gerade alle wieder einverleiben will. Mitten in Europa gelegen, ist die Schweiz heute von einem Bollwerk von Demokratien mit ähnlichen Werten umgeben.

Die Schweiz ist dank der EU reicher geworden.

1992 hat sich die Schweizer Bevölkerung mit dem Nein zum Europäischen Wirtschaftsraum EWR gegen den freien und unbeschränkten Zugang zum EU-Binnenmarkt entschieden. Es folgte ein Jahrzehnt der Isolation und des wirtschaftlichen Kriechgangs. Mit den bilateralen Verträgen 1 und 2 anfangs Nullerjahre kam die Beteiligung am Binnenmarkt und der wirtschaftliche Aufschwung. Eine Studie der deutschen Bertelsmann-Stiftung hat 2019 untersucht, wie stark die einzelnen Länder vom EU-Binnenmarkt profitieren. Der gemeinsame Markt hat alle wirtschaftlich vorangebracht, aber am allermeisten hat ein Nicht-EU-Mitglied profitiert: die Schweiz.

Konservative Kräfte in Grossbritannien, die sich die Handlungsmacht des British Empire zurückwünschen, haben den Brexit durchgesetzt. Doch aus dem Schlachtruf «TAKE BACK CONTROL» wurde nichts, im Gegenteil: Die Folgen sind ein wirtschaftlicher Einbruch (BIP-Verlust von 6 bis 8 Prozent). Und statt weniger Zuwanderung, hat sich diese auf Menschen aus aussereuropäischen Ländern verlagert. Aktuell würden je nach Umfrage 55 bis 65 Prozent der britischen Bevölkerung für einen Wiederbeitritt zur EU stimmen.

Einen Abwehrkampf mit mittelalterlichen Hellebarden gegen eine vermeintliche Unterwerfung zu inszenieren, wie es die Schweizer Konservativen gerade tun, ist vielleicht auch nicht die klügste Art, auf die Verhandlungsergebnisse mit der EU zum neuen Vertragspaket zu reagieren. Vielmehr braucht die Schweiz jetzt eine sachbezogene Debatte über die Bilateralen 3 - ohne Tabus, aber auch ohne populistische Angstmacherei und Verleumdungen à la «Unterwerfungsvertrag».

Vertiefende Texte in der Rubrik „Deep-Dive":

-       Die EU heute und morgen

-       Wenn Mythen zu Stolpersteinen werden

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