Der 39-Prozent-Zollhammer und anschliessende öffentliche Demütigungen sind Ausdruck einer sich radikal verändernden Weltordnung zulasten von bündnisfreien Kleinstaaten.
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Die nach dem 2. Weltkrieg entstandene regelbasierte Weltordnung mit der UNO, dem Völkerrecht und dem Einhalten von internationalen Abkommen schützte vor allem Kleinstaaten vor der Macht der Stärkeren.
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine und dem Beginn von Trumps zweiter Amtszeit prägt hingegen imperiale Grossmachtpolitik wieder das internationale Parkett. In dieser neuen Weltordnung sind bündnisfreie Kleinstaaten den wirtschaftlichen, kriegerischen und hybriden Feindseligkeiten schutzlos ausgeliefert, wie Bundesrätin Karin Keller-Sutter am 1. August 2025 schmerzlich erfahren musste.
Bündnisse schützen vor Willkür, wenn es das internationale Recht nicht mehr tut
Ganz anders erging es der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, als Trump sich Grönland einverleiben wollte. Sogleich solidarisierten sich zahlreiche EU-Länder mit dem Kleinstaat Dänemark, einige schickten Soldaten nach Grönland und die EU-Kommission drohte mit der Erhebung von Zöllen auf US-Importe. Die Drohkulisse wirkte: Nervosität auf den Finanzmärkten und drohende Zinserhöhungen für amerikanische Staatsanleihen brachten Trump zum Einlenken.
Ist in diesen neuen Zeiten der Alleingang der Schweiz weiterhin erfolgversprechend? Darauf zu vertrauen, dass nach Trumps Abgang alles wieder wird wie früher, ist mit Sicherheit keine gute Idee. Eine engere Kooperation mit Mittelmächten dagegen schon. Die naheliegendste ist, mit jenen europäischen Partnern möglichst eng zusammenzuarbeiten, die uns wertemässig, wirtschaftlich und geografisch am allernächsten stehen. Die enge Kooperation mit der EU wird für die langfristige Sicherheit und den Wohlstand der Schweiz wohl entscheidend sein.
Als Stolperstein dabei könnte sich das verzerrte Bild entpuppen, das weite Teile der Schweizer Bevölkerung von der EU haben. Jahrzehntelanges EU-Bashing – von «Bürokratiemonster» über «undemokratisch» bis hin zur aktuellen Betitelung der Bilateralen 3 als «Unterwerfungsvertrag» –hat ein Negativbild der EU gezeichnet, das von der Realität weit entfernt ist. Es liegt in erster Linie an den führenden politischen Köpfen wie Karin Keller-Suter, dieses Bild zu korrigieren und die Bevölkerung mit der Zeitenwende vertraut zu machen.
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